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Ai – Ki – Do: drei Silben und ihre Bedeutung

Japanische Begriffe sind ja oft nur näherungsweise zu übersetzen. Sie umschreiben eher Vorstellungen, Bilder. Schwierig wird eine Übertragung dort, wo es in unserer Kultur- und Geisteswelt keine oder nur unzulängliche Entsprechungen gibt.

Herkunft

Der Name Aikido für die Kampfkunst Morihei Ueshibas ist nicht, wie meistens angenommen wird, von ihm selbst ausgegangen. Der hatte im Laufe der Zeit die Bezeichnung seines Kampfstils viele Male und je nach Bedarf geändert. Es war vielmehr ein Budomeister namens Minoru Hirai, der maßgeblich zur endgültigen Namensfindung beitrug. Als Mitglied des Dainippon Butotukai, einer staatlichen Organisation zur Förderung der traditionellen japanischen Budoarten, wurde er 1942 beauftragt, ein „integriertes“ Budo zu schaffen. Die häufig zu findende Spezialisierung der traditionellen Ryu ha (alte Kriegskunstschulen) sollte in Richtung einer umfassenderen Ausbildung im Budo zusammenfließen. Zu diesem Zweck wurde eine neue eigene Sektion eingerichtet neben bereits bestehender für Judo, Kendo, Kyudo. Um auch für diese alten Schulen die Weg-Bedeutung herauszuheben, wurde für den neu zu findenden Namen aus dem bereits vorhandenen und auch von Ueshiba verwendeten Begriff Aiki-Budo die Silbe Bu entfernt. Und damit entstand der heute bekannte Name Aikido. Dieser wurde dann Ende der 1940er Jahre auch von O-Sensei Ueshiba akzeptiert und endgültig und dauerhaft übernommen. Wohingegen sich die Ursprungsabsicht des Dainippon Butotukai nicht durchsetzen konnte.

„Nur ein optimal organisierter Körper
kann optimal funktionieren!“

Moshe Feldenkrais

Wortbedeutung:

Ai    Kanji Ai

Durch Koordination (im medizinischen Sinne das harmonische Zusammenwirken der bei einer Bewegung tätigen Muskeln, Sehnen, Gelenke) zu insgesamt „ganzheitlichen Körperbewegungen“.

Das drückt sich aus durch ein an der Längsachse orientiertes Stehen und Gehen, gute Balance der Schwerkraft, ein Erleben der eigenen Mitte als stabiles Zentrum auf der körperlichen sowie Wahrnehmung und Achtsamkeit auf der geistigen Ebene.

Bezogen auf einen Partner:
dessen „Angriffs“-bewegung durch eine hohe Achtsamkeit rechtzeitig wahrnehmen, kooperativ (d. h. harmonisch, übereinstimmend, gut zusammenpassend) mit der eigenen zu einer gemeinsamen Bewegung vereinen.

„Homophon“
ist die sprachwissenschaftliche Bezeichnung für in der Aussprache gleichklingende Worte unterschiedlicher Bedeutung in unterschiedlicher Schreibweise, z.B. „Leere" und „Lehre" oder „Miene“ und „Mine“.

Der Begriff „Ai" hat noch eine weitere Bedeutung: „Liebe". Ist zwar in der Aussprache identisch,Kanji für Liebe wird aber durch ein ganz anderes Schriftzeichen repräsentiert. Ueshibas mystische Erfahrung der „universalen Liebe" *) war für ihn möglicherweise ein guter Grund, den Namen „Aikido" für seine persönliche Kampfkunst zu akzeptieren. 


*)  Hierbei möchte ich darauf hinweisen, dass Liebe im mystischen Sinne etwas ganz anderes bedeutet als Liebe in der heutigen Umgangssprache. Letzteres entstammt eher den Vorstellungen aus der Zeit der Romantik.

Ki    Kanji Ki

auch Chi (chin.), Prana (ind.), Mana (hawaii.), Pneuma (griech.) Baraka (arab.), Orgon (W. Reich), Viriditas (Grünkraft – Hildegard von Bingen);

Grundkraft (-energie), die der gesamten Natur, also Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien innewohnt. Metaphysische (Lebens-)Energie, Atem oder Fluidum von fließendem Charakter, positive oder negative Befindlichkeit, spürbare positive oder auch negative Ausstrahlung.

Das Wesen von Ki zu erklären, ist sehr schwierig. Und die Erklärungsversuche der alten Meister aus vergangenen Tagen macht es auch nicht einfacher.

Daher ist vielleicht die Darstellung von Eckhart Tolle, einem deutsch-kanadischen spirituellen Lehrer unserer Zeit, etwas nachvollziehbarer.

Er spricht vom Manifesten als der physischen Welt der Formen, in der u. a. auch wir existieren, und dem Unmanifesten als der nichtsichtbaren Quelle aller Dinge, dem Sein in allen Wesen . Eine Frage nach dem Chi (Ki) beantwortete er so: „Das Unmanifeste ist die Quelle des Ki. … Ki ist das innere Energiefeld Deines Körpers. Es ist die Brücke zwischen Dir und der Quelle. … Ki ist Bewegung, das Unmanifeste ist Stille … Ki ist die Verbindung zwischen dem Unmanifesten und dem physischen Universum und kann mit einem Fluss oder einem Energiestrom verglichen werden.“

Der Aikidobegründer sah die Welt aus shintoistischer Sicht und wurde besonders von der religiösen Sekte Omoto Kyo beeinflusst. Einer der Bilder, die er häufig in Bezug auf seine Rolle als Schöpfer des Aikido verwendete, war die „schwimmende Brücke des Himmels“. Die Brücke, die Himmel und Erde verbindet.

Do    Kanji Do

(jap. Entsprechung des chin. TAO)

im engeren Sinne permanentes, d. h. regelmässiges, (be-)ständiges (lebenslanges) Betreiben einer bestimmten selbstgewählten Übung; unbeirrbare Ausübung des Weges;
Nichtanhaften und der Nichtabhängigkeit von allen Dingen; 
im übertragenen Sinne auch Bedeutung des eigenen „Lebensweges“, der „Lebenseinstellung“.

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