. . .   Coronakrise, Energiekrise, Klimakrise, Flüchtlingskrise, Ukraine-Krieg, Inflation. Habe ich was vergessen? Man könnte glauben, die „Büchse der Pandora“ wäre geöffnet worden.

Mit der Corona-Pandemie fing alles an. Für viele Menschen wurden die gewohnten Tagesabläufe durch die behördlichen Eingriffe völlig auf den Kopf gestellt. Aikido-Lehrer, vor allem die mit eigenem Dojo, gerieten in große Schwierigkeiten. Etliche Teilnehmer stellten das Training ein. Und mit dem Rest war das Dojo oft nur noch mühsam zu halten.

Wie sich die Auswirkungen der Krisen im einzelnen zeigen und wie die Politik versucht, da gegenzusteuern, sofern überhaupt möglich, ist wohl den meisten aus den laufenden Medieninformationen bekannt. Ich kann es mir daher ersparen, da noch weiter drauf einzugehen.

Was sich jetzt viele fragen, wie konnte es überhaupt soweit kommen? Wo es uns doch überwiegend gut ging in unserer „Wohlstandsblase“. Und wo wir uns so sicher waren, das es in unserem Leben nur in eine Richtung geht – nach oben. Wir uns auch überhaupt nicht vorstellen konnten, einen Rückfall in Zeiten erleben zu müssen, die nur für die wirklich Älteren noch eine mehr oder weniger böse Erinnerung ist. Ich glaube, die Antwort liegt tief in uns drin und ist eigentlich ganz einfach.
Aber – will die wirklich jemand wissen?

Bei all unserem Denken, unseren Absichten, unserem Handeln spielt unser individuelles Ego eine überragende Rolle. Nur eingeschränkt durch persönliche Handlungsgrenzen. Da sich das individuelle Ego hochpotenziert zum kollektiven Ego, können wir uns jetzt vorstellen, wie sich das auf die verschiedenen Bereiche unseres Lebens auswirkt.

Die uns innewohnenden, unbewußten Triebe, Begierden, Emotionen als Teil unserer Säugetier-Natur*) haben uns einerseits bis heute erfolgreich durch die Evolution gebracht. Andererseits entwickeln sie schnell ein verhängnisvolles Eigenleben, eben weil sie uns nicht bewußt sind. Dabei gehen sie oft weit über eine Befriedigung elementarer Grundbedürfnisse hinaus.

*) Biologisch gehört der Mensch zu den sogenannten „höheren“ Säugetieren.

Für den Benediktinermönch Pater Anselm Grün zeigt sich das als „GIER – der Sucht, immer mehr haben zu wollen, nie zufrieden zu sein mit dem, was gegeben wurde“**).

**) Siehe auch weiter unten den Hinweis auf sein Buch „GIER – Auswege aus dem Streben nach immer mehr

Der Aikido-Begründer Morihej Ueshiba nannte sie „innere Feinde“, die, wenn wir sie nicht bekämpfen, immer wieder neue „äußere Feinde“ produzieren.

Unter den Folgen der Gier hatten Menschen in allen Zeitaltern und allen Kulturen zu leiden. Aber es hat immer auch Menschen gegeben, die Wege aufgezeigt hatten, mit der Gier umzugehen, sie zu verwandeln. Jedoch noch nie hatten die Katastrophen (die „äußeren Feinde“) derart globale Ausmaße angenommen wie heute.

Was kann ich als einzelner schon dagegen tun? Ich meine etwas, das auch eine irgendwie wahrnehmbare Wirkung zeigt. – Das ist natürlich schwierig. Das hat so was wie der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas, aufgrund dessen in China ein Sack Reis umkippt. Wir können andere nicht so ohne weiteres überzeugen, ihr Leben umzukrempeln. Und zwingen schon mal gar nicht!

Ich kann nur innerhalb meines bescheidenen Rahmens andere an dem teilhaben lassen, was ich bis jetzt gemacht habe.

Frohe und besinnliche Tage

Frohe Tage – Tage der Freude, der Hoffnungen, der Erwartungen. Mit Geschenken, mögen sie passend, unbeholfen oder unzureichend sein. Mit Verpflichtungen, denen man gerne nachkommt oder denen man sich nicht entziehen kann. Alles, was mit diesem Fest verbundenen ist, sollte den Beteiligten doch Freude machen. – Eigentlich!

Aber was, wenn wir tatsächlich ein starkes Gefühl von Freude verspüren? Wäre es nicht phantastisch, das konservieren zu können? Zu einer dauerhaften, tiefen inneren Freude, die uns jeden Tag begleitet?

Sich dieses Augenblickes bewußt zu werden und die ganze Aufmerksamkeit intensiv, d. h. hellwach, hoch konzentriert und aufmerksamkeitsfokussiert auf dieses Gefühl zu richten, könnte so etwas wie ein immer gegenwärtiges leises Hintergrundrauschen entstehen lassen. Das allgemeine Wohlfühl-Level steigt um etliche Prozentpunkte an.

Wo wir gerade dabei sind. In den vergangenen Jahren wurde in den Medien unglaublich viel über „Glück“ geschrieben, in Talkrunden diskutiert, philosophiert, Befragungen durchgeführt, Studien erstellt usw. usw. Aber was dabei herauskam, hat bei mir immer nur einen Gedanken erzeugt: Nein, das ist es nicht. Und nein, auch dieses nicht. Und nochmal nein, auch das nicht!

Wann konntest du das letztemal so richtig erleichtert oder erfreut ausrufen, „O Mann, da habe ich aber noch mal richtig Glück gehabt“. Und – kannst du dich erinnern, wie sich das anfühlte? Hast du diesem Glücksgefühl ganz bewußt tief in deinem Inneren nachgespürt? Konntest du auch Tage danach dieses Gefühl noch erinnernd wahrnehmen? Dann könntest du den Quantensprung vom „Glück-Gehabt-Haben“ zum „Glücklich-Sein“ geschafft haben. Zumindest für’s erste. Denn „Glück-Gehabt-Haben“ ist wie eine Pforte. Und jedesmal, wenn du diese Pforte durchschreitest, wird die bereits oben erwähnte Hintergrundstrahlung stärker. Was bringt das? Find’s heraus!

Besinnliche Tage – Worauf eigentlich sollte man sich besinnen? Vielleicht mal auf das, was JETZT ist? – An den „Tagen“ und „zwischen den Jahren“ vielleicht zu etwas mehr Ruhe und Muße finden? Dabei das Gedankenkarussel beobachtend wahrnehmen, die Stille zwischen den Gedankenblasen erkennen – und dabei verweilen. Das Hinterhergrübeln der Vergangenheit aufgeben und die Gegenwärtigkeit bewußt leben.

Der folgende Song ist kein Weihnachtslied, aber ein wunderschöner,
der das oben gesagte sehr poetisch ausdrückt.

Übrigens: Zukunft ist immer das Ergebnis dessen, was wir JETZT tun.

schwebende Kugeln zur Weihnacht vor dunklem Hintergrund erinnern an Friede und Besinnlichkeit

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern,
den Hörerinnen und Hörern
ein glückliches und besinnliches, freudvolles Weihnachtsfest
sowie ein gelingendes, gesundes, hoffnungsvolles neues Jahr 2023.

Herzlichst
Ihr

Buchtipp

Pater Anselm Grün OSG

Gier
Auswege aus dem Streben nach immer mehr

erschienen 2015 im Vier-Türme-Verlag,
Münsterschwarzach
ISBN 978-3-89680-920-9
19,00 EUR zzgl. Versand

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Zum Buch:

Gier steckt in jedem von uns. Jeder Mensch ist gierig und strebt nach immer mehr. Diese Sucht nach Mehr gilt nicht nur in Bezug auf materielle Dinge, sondern auch, was unsere emotionale Seite betrifft: Wir sehnen uns nach mehr Anerkennung, sind maßlos in unserem Bedürfnis nach Liebe oder Zuwendung.

Neben den zerstörerischen Elementen hat Gier auch etwas Belebendes und Lustvolles. Anselm Grün zeigt in diesem Buch Wege auf, wie wir mit dieser Maßlosigkeit umgehen können und wie wir die zerstörerische Kraft der Gier in eine lebensspendende Kraft verwandeln können.

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