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Respekt – eine vergessene Tugend?

„Es ist viel wertvoller, stets den Respekt der Menschen zu haben,
als gelegentlich ihre Bewunderung.“

Jean-Jacques Rousseau (18. Jhdt.)

Kommunikatives Miteinander und Aikido: beides wird im Kern von bewusster Absicht der Ausübenden durchdrungen – und in beidem ist wertschätzende Achtsamkeit ein Schlüssel für erfolgreiches Miteinander.

Takt, Höflichkeit, Rücksichtnahme, eine vorurteilsfreie, voraussetzungslose Anerkennung und Akzeptanz des anderen sind weitere Bausteine, aus denen sich die Tugend des Respekts zusammensetzt..

Nichts ist kläglicher als Respekt, der auf Angst basiert

Jahrhundertelang wurde unter Respekt ritualisierte Höflichkeit, Gehorsam, Obrigkeitsgläubigkeit verstanden. Respekt hatte man Höhergestellten, Würdenträgern, Amtspersonen, Richtern, Polizisten, Geistlichen, Lehrern, den eigenen Eltern, alten Menschen entgegenzubringen.

Respektlos durfte man Menschen behandeln, die sich auf der gesellschaftlichen Rangstufe weiter „unten“ befanden: „Nichtsnutzige“, „Schmarotzer“, „Tagträumer“, „Verrückte“, „Tunichtgute“ und „Gottlose“.

Heute sind es nicht nur Migranten, Sozialhilfe- bzw. Hartz-IV-Empfänger, Hauptschulabgänger, nicht selten auch Untergebene in Firmen und Behörden. Also alle, die in unserer Gesellschaft als „schwach und bedürftig“ erscheinen.

Respektlosigkeit – Grundübel von Gewalttätigkeiten

Das Grundübel für die vielfältigen Formen von Gewalttätigkeiten in unserem Alltag ist nicht die Gewalttat selbst, sondern das sie ermöglichende und fördernde Klima des fehlenden Respekts vor der Würde des einzelnen und das sich auflösende Gespür für Recht und Unrecht.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar …“
(Artikel 1, Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland)

Gewalttätigkeiten machen dabei nur offenbar, welch zentrale Rolle die profit-, macht- oder geltungsorientierte Respektlosigkeit bei uns spielt. Sehr anschaulich stellt Jonathan Düring diesen Aspekt in seinem Beitrag „Gewalt in der Schule“ dar. Er zeigt auf, dass eine respektvolle und Respekt vermittelnde Erziehung den jungen Menschen achtet und beachtet. Und ihn eben nicht zum Humankapital, Standortfaktor oder Leistungsträger degradiert.

Gewalt verhindernder Respekt lässt sich nicht einfach einfordern. Immer steht davor der Respekt und die Achtung vor sich selbst.

Der Begründer des Aikido  . . .

. . .  hat seine auf mittelalterlichen Feindvorstellungen basierende Kampfkunst aufgrund seiner spirituellen Erfahrungen verändert. Eine notwendige Verteidigung richtet sich jetzt in erster Linie gegen den Angriff, nicht gegen den Angreifer als Person.*) Worin sich die Achtung und der Respekt vor dem menschlichen Leben an sich ausdrückt. Was zugegebenermaßen bei manchen Mitmenschen eine echte Herausforderung sein kann. Und für einen „normal“ empfindenden Menschen sicher ein sehr hochgestecktes Ziel darstellt. Andererseits entspricht dies aber auch unserem gegenwärtigen Rechtsempfinden von der Verhältnismäßigkeit der Mittel.

*) Interessanterweise deckt sich Ueshiba's Aussage exakt mit der christlichen Forderung der Feindesliebe. Auch hier wird zwar die böse Tat geächtet, nicht aber der Feind als Mensch.

Diese Vorgabe setzt natürlich ein intensives und regelmäßiges Üben der äußeren Aikido-Techniken voraus. Gleichzeitig ist hier auch die Option enthalten, in dieser Weg-Übung Eins zu werden mit sich und seinem Tun. Und damit zu innerer Stärke und Selbstvertrauen zu finden, die wie wirkliches Glück und Zufriedenheit – und eben auch Respekt – nur aus uns selbst erwächst.

Regelmäßiges Aikido-Training fordert und fördert den gegenseitigen Respekt im übenden Miteinander.


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